Arboretum



Lasse ein 20 Leute durch einen großen Garten gehen und Du wirst jede mögliche Frage ein halbes Dutzend mal beantworten müssen. Und das bitte kurz und bündig, denn der nächste Fragesteller wartet schon.

Das lässt sich vereinfachen, wenn bei allen selteneren Gehölzen kleine Schilder die wichtigsten Informationen (über den Namen hinaus) zusammenfassen. Ein Aspekt, warum wir unseren Garten zum Arboretum machen, ist also, dass wir mit der Zeit "maulfaul" werden.

Aber was für einen Garten gestalten wir denn? Einen botanisch-wissenschaftlichen? Einen Wildwuchs-Garten oder "Dschungel"?

Was meinen wir mit "Arboretum"?

Ein Arboretum ist eine Sammlung lebender Gehölze, die mit einer bestimmten Absicht bewusst zusammengestellt wurde. Was dann auf Schildern steht, sagt eher etwas darüber aus, an wen sich diese Sammlung wendet, wer Zielgruppe ist. Als Zielgruppe haben wir Menschen vor Augen, die an Büschen und Bäumen interessiert sind (ohne Experten zu sein). Deshalb geben unsere Schilder Auskunft über Herkunft, Geschichte, Besonderheiten, ... der Gehölze.

Was ist ein "Naturgarten"?

In einem Naturgarten steht die Natur und wie sie sich entfaltet im Mittelpunkt. Allerdings ist dieser Begriff in der Gartenszene ideologisch aufgeladen: Manche akzeptieren als Naturgarten nur, was ausschließlich die regional verbreiteten, heimischen Pflanzen zeigt; dabei scheint es weniger darauf anzukommen, wie häufig der Mensch eingreift durch Anlegen, Pflanzen, Schneiden, Düngen, Gießen, ... . 
Das meinen wir nicht, wenn wir unseren Garten als "Naturgarten" bezeichnen: Wir wollen damit aussagen, dass wir beobachten, wie die Natur mit unseren Impulsen umgeht, um dann selber möglichst wenig eingreifen zu müssen.

Garten-Experiment

Wir betreiben einen "experimentellen Naturgarten", also einen Garten, in dem wir neugierig Dinge ausprobieren. Zielrichtung unserer Neugier ist die Frage: "Wenn sich das Klima weiter ändert: Wie könnte ein Naturgarten in 20 oder 30 Jahren aussehen?" Das heißt, wir pflanzen heute schon jene Gehölze, von denen wir vermuten, dass sie sich erst in Jahrzehnten in Deutschland so richtig wohl fühlen (also dann, wenn die Bäume erwachsen sind). Deshalb haben wir einen hohen Anteil von Pflanzen aus südlichen Regionen und beobachten, wie sie sich hier entwickeln.
Allerdings achten wir darauf, dass sich die Arten nicht ungezügelt ausbreiten ("invasiv") und dass sie für die Tierwelt (Bienen, Käfer, ...) interessant sind.

Unser Garten ...

Wenn wir ganz ausführlich und möglichst korrekt sagen, was unser Garten ist, müsste es heißen:

Wir legen einen "experimentellen Naturgarten mit hohem (Wild-) Fruchtanteil" an. Wir werten unsere Beobachtungen systematisch aus und informieren unsere BesucherInnen darüber und über unbekanntere Gehölze und Zusammenhänge im Sinne eines Arboretums.


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